New York / Alex Bellink

Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?! Zwar ist die Ansicht vom American Dream, demzufolge jeder alles aus sich machen kann, weit verbreitet und auch das Streben nach Glück soll in den Vereinigten Staaten fast immer erfolgreich sein. Dennoch gibt es kaum einen Staatenbund, der sich in seinem Inneren so sehr unterscheidet: in einem Staat sind Todesstrafen legal, im nächsten nicht. In anderen gibt es komplizierte Waffengesetze, im Nachbarstaat trägt jeder eine Kanone mit sich herum. Und so ist es auch mit der homosexuellen Eheschließung. Was dieses Thema betrifft, ist der ganze Kontinent recht rückschrittlich: in nur sieben Bundesstaaten haben Schwule und Lesben die gleichen Rechte wie Heteros. In ganzen 29 Staaten dagegen existieren sogar homosexuellenfeindliche Verfassungen.

Es ist also noch ein weiter Weg zur Gleichstellung der homosexuellen Amerikaner. In New York ist man seit dem 25.7. nun aber einen Schritt weiter. Hier trat gestern das Gleichstellungsgesetz in Kraft, welches die Eheschließung von gleichgeschlechtlichen Paaren ermöglicht.

Über 800 Paare hatten einen Antrag gestellt, am gestrigen Tag heiraten zu dürfen. Zunächst war von der Stadtverwaltung geplant, per Losverfahren zu entscheiden, wem das Ja-Wort zuteil werden würde und wem nicht. Nach kurzer Bedenkphase räumte man jedoch allen Heiratswilligen ein, sich zu trauen. Um dies zu ermöglichen, musste die Stadt sämtliche Ressourcen aktivieren. Eines von den 823 glücklichen Paaren waren Renee und Kelebohile. Die beiden Beamtinnen seien bereits seit über 20 Jahren ein glückliches Paar. Seit 7 Uhr früh hatten die beiden Schwarzafrikanerinnen anstehen müssen, um endlich die Ehe schließen zu können. Für die beiden ist dies weniger ein romantisches Liebesbekenntnis als ein Zeichen der Gleichberechtigung.

Natürlich gab es auch Proteste gegen das neue Gesetz. Ein paar radikale Christen hatten in Manhattan gegen die Homoehe demonstriert. Evan Wolfson, Präsident der Organisation „Freedom to Marry“ hat dazu nur eines zu sagen: „In Amerika herrscht Meinungsfreiheit“.

Hoffen wir, dass die Vereinigten Staaten weiterhin viele Schritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung tun.

 

Neil Patrick Harris / Project M·A·R·C

Einer Umfrage des US-Portals “After Elton.com” zufolge wurde der schwule Schauspieler Neil Patrick Harris mit 61 % der 80.000 Teilnehmer zum Schwulen des Jahrzehnts gewählt. Harris ist vor allem durch seine junge Teenage-Karriere in den 1990er Jahren in der Serie Doogie Howser M.D. berühmt geworden. Nun spielt er den sexhungrigen Heterosexuellen Barney in der Comedy-Serie “How I met your mother“. Ebenfalls gewann er die Umfrage nach dem bedeutendsten Coming-out des Jahrzehnts mit 59 Prozent.

Neben dem beruflichen Erfolg kann der Schauspieler auch privates Glück vermelden. Denn im Oktober wird Harris Vater von Zwillingen. Auf Twitter schrieb der 37-Jährige: “Glaubt es ruhig, David und ich erwarten Zwillinge in diesem Herbst. Wir sind extrem aufgeregt/ nervös/ glücklich.” Mit David meint der Schauspieler seinen langjährigen Lebensgefährten, den Theater-Schauspieler David Burtka. Mit Hilfe einer Leihmutter werden die beiden nun zu Eltern. Das schwule Prominenten-Paar war auch zunehmend in der Öffentlichkeit zu sehen und zwar ganz untypisch dem Hollywood ohne Skandale.

Neil Patrick Harris wird sich dann wahrscheinlich aus seinen beruflichen Plänen ein bisschen zurück ziehen müssen. Denn gerade vor einer Woche gatte seine Sonderinszenierung des Musical “Rent” in Los Angeles Premiere. Vanessa Hudgens und Nicole Scherzinger gehörten zu der Besetzung. Wobei nur Scherzinger in ihrer Rolle gelobt wurde. Neben dieser Bemühungen setzte sich Harris auch oft für die Homo-Ehe ein und kritisierte die Proposition 8 in Kalifornien.

Harris ist nicht der erste Star, der mit Hilfe einer Leihmutter Nachwuchs bekommt. Vor einigen Jahren sorgte Ricky Martin mit seinem Coming-Out sowie der Nachricht, dass er ebenfalls Zwillinge bekommt, für Aufruhr. Die Umfrage-Teilnehmer bei Atfer Elton.com danken aber Harris für seine bedeutende Rolle in der Öffentlichkeit. Er soll Schwulen leichter gemacht haben, sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen. Als zweiter belegte den Platz Adam Lambert. Lambert war ein Teilnehmer der Casting Show “American Idol” als er mit einem freizügigen Auftritt schockte.

Das Coming- Out

19/07/2011

Coming Out / nettsu

Hat man für sich festgestellt, dass die eigene sexuelle Orientierung nicht der in weiten Teilen bestehenden gesellschaftlichen Konvention entspricht und sich zu Menschen des eigenen Geschlechts oder zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlt, verspürt man in der Regel das Bedürfnis, sich anderen mitzuteilen. Diese Mitteilung wird im Neudeutsch als „Coming Out“ bezeichnet und ist in erster Linie für homo- oder bisexuelle Menschen wichtig, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können und auch vollkommen zu sich selbst zu finden.

Coming Out“, was so viel bedeutet wie Herauskommen oder Hervorkommen umfasst dabei einen ganzen Prozess von der ersten Ahnung zum Wissen zum abschließenden Akzeptieren der eigenen Neigung bis hin zur Mitteilung an das persönliche Umfeld, welches aus Freunden, Familie und Arbeitskollegen oder Mitschülern bestehen kann.
Gerade dieser letzte Schritt in diesem Prozess ist dabei wichtig, um sich selbst anzunehmen und auch diesen Teil in das eigene Leben zu integrieren. Oftmals ist dies mit zahlreichen Ängsten verbunden, die sich meist darauf projizieren, wie die Familie, die Eltern oder Freundeskreis auf das Coming Out reagieren könnten. Welche Veränderungen würde das Coming Out direkt in meinem Leben bewirken? Es ist wichtig, all diese Ängste zu überwinden, denn der lange Weg zur innerlichen Freiheit lohnt sich. Denn Bisexuelle, Schwule und Lesben, die sich nicht zu ihrer Orientierung bekennen, leben oft Jahrzehnte in Scham vor ihrer eigenen Sexualität und verleugnen sich vor sich selbst und vor anderen, was psychische Instabilität, Leiden oder gar Krankheit nach sich ziehen kann.

Generell gilt, dass es sich anbietet, zunächst das engere Umfeld in Kenntnis zu setzen. Meist haben Frauen weniger Mühe, ein Coming Out zu akzeptieren als Männer. Die eigenen Eltern sollte man in der Regel erst einweihen, wenn man bereits einige enge Freunde ins Bild gesetzt hat, die bei eventuellen Problemen mit den Eltern helfen können.

Natürlich ist es kein Zwang, anderen Menschen die eigene Sexualität unter die Nase zu reiben, aber es führt ohne Zweifel zu einem erfüllteren Leben, wenn man seine Identität offen und ohne Angst vor Missverständnissen leben kann.

Lesbische Stars

18/07/2011

Jodie Foster / Alan Light

Viele beliebte Stars sind für die Männerwelt nicht mehr zu haben. So sorgte Lindsay Lohan schon ordentlich für Aufruhr während ihrer eineinhalbjährigen Beziehung zu der DJane Samantha Ronson. Während Lindsay allerdings noch immer auch der Männerwelt zugetan ist, stehen viele weibliche Stars ohne Kompromisse zu ihrer Liebe zu Frauen. Beth Ditto, Eileen DeGeneres und auch Cynthia Nixon, die Miranda aus „Sex and the City“ stehen offen dazu, lesbisch zu sein.

Während in bei den Frauen aus „Sex and the City“ immer fleißig nach dem Traummann gesucht hat, verließ Cynthia ihren längst, um nun glücklich mit einer Frau und ihren beiden Kindern in New York zu leben. Auch Schauspieler-Kollegin Sara Gilbert, die einst in „Roseanne“ und „Emergency Room“ mitspielte, lebt schon seit Jahren mit ihrer Partnerin Allison Adler zusammen, mit der sie sogar zwei Kinder hat. Dabei soll Allison ihren Sohn Levi und Sara die zwei Jahre später ihre Tochter Sawyer ausgetragen haben.

Die Schauspielerin Jodie Foster ist bodenständig und offen gegenüber ihrer Liebe zu Frauen und führte eine langjährige Beziehung mit der Produzentin Cidney Bernard, wobei aber nicht ständige Beweisfotos und Bekenntnisse an die Öffentlichkeit gegeben wurden. Nach 14 Jahren jedoch verließ sie Cidney, um mit Cidy Mort der Drehbuchautorin von „Will & Grace“, ihr Glück zu suchen. Diese wiederum verließ aber leider Jodie Foster, um zur Ex-Freundin zurückzukehren.

Dagegen führt die US-Talkmasterin Eileen DeGeneres eine Ehe wie sie im Buche steht- und zwar mit der Schauspielerin Portia Rossi aus „Ally McBeal“. Beim Ja-Wort in 2008 nahm sie sogar den Namen ihrer Partnerin an. Doch auch hier in Deutschland stehen Moderatorinnen wie Anne Will zu ihrer Beziehung mit einer Frau.

Vielleicht ein schwerer Schlag für die männliche Seite, aber ebenso wahr ist, dass die schöne Schauspielerin Amber Heard ihre Reize ausschließlich für die Frauenwelt aufhebt. Allerdings ist auch sie schon vergeben- und zwar an Tasya van Ree, einer Fotografin.

Die Sängerinnen Melissa Etheridge und das „Gossip“-girl Beth Dito planschen vergnügt auf der anderen Seite des Ufers. Während Melissa noch zu haben ist, hat Beth ihr Herz an ihre Assistentin verloren. Manchmal sieht man Kristin sogar zusammen mit Beth Dito auf dem roten Teppich.

Bei den fehlenden Skandal-Schlagzeilen, lässt sich vermuten, dass all diese Frauen zusammen mit Frauen ein viel entspannteres Leben zu führen und weitere Bekenntnisse der Liebe lassen auf sich warten.

Christopher Street Day / jÖrg

Auch dieses Jahr find in Berlin wieder der Christopher Street Day statt. Und wie immer fand dieser eine rege Beteiligung. So gab es einen großen Umzug mit vielen Wagen und Menschen in schrill-bunten Kostümen. Dabei handelte es sich in den Kostümen vorrangig um Schwule, Lesben und Transsexuelle die sich für ihre Rechte stark machen wollte. So werden in Deutschland immer noch viele Homosexuelle diskriminiert und ausgeschlossen. Genau darauf will der CSD jedes Jahr aufmerksam machen und zählt somit auch zu eine der größten Veranstaltungen in Deutschland für genau diese Zielgruppe. Insgesamt 700 000 Besucher waren anwesend und bewunderten dieses bunte Treiben.

So ging es beim diesjährigen CSD vor allem um die Homosexuellenfeindlichkeit im Sport. Dies war ganz praktisch, da der CSD einen Tag zuvor, also unmittelbar vor der Frauen WM stattfand. Somit stand ein sportliches Großereignis vor der Tür, was dem Motto sicher half. So sprachen viele davon, dass immer noch viele Homosexuelle im Sport diskriminiert werden. So ist Homosexualität vor allem im Männerfußball immer noch ein Tabuthema und es gibt keinen einzigen bekannten Bundesligaspieler der homosexuelle ist. Oder dies zumindest bekannt gibt. Ein Outing ist im Profifußball viel zu gefährlich, da es keine wirklich vergleichbaren Beispiele gibt und die betroffene Person wahrscheinlich ihren Status verlieren würde.

So sprach Klaus Wowereit auf der Abschlusskundgebung davon, dass in den vergangenen zehn Jahren viel für die Rechte Homosexueller getan wurde, dies aber definitiv so weiter gehen muss und nun nicht stagnieren darf. Er sprach sich auch dafür aus, dass eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften mit der Ehe gleichgestellt werden und somit mehr Rechte erfahren.

Erfreulich ist, dass der ganze Umzug laut Polizei ohne Zwischenfälle stattfand und es zu keinerlei Übergriffen kam.

In unserer modernen und aufgeklärten deutschen Gesellschaft scheint man extrem tolerant zu sein. Berlins Bürgermeister ist schwul – und das ist auch gut so. Viele Menschen finden Homosexualität nicht im geringsten störend – bis ihre eigenen Kinder sich vor ihnen outen. Dieser Moment bringt viele Familien in Krisensituationen und reißt die intakte, harmonische Vater-Mutter-Kind-Welt auseinander.

Denn trotz aller Moderne ist das Gesellschaftsbild doch noch stark von Heterosexualität geprägt, sei es in Film, Literatur, Schule oder vor allem Kirche. Viele Jugendliche zögern den Moment ihres Outings besonders weit hinaus, da sie Angst vor den Reaktionen der Eltern haben. Diese sind oftmals enttäuscht darüber, dass ihr Sprössling sein Geheimnis so lange bewahrt hat und sie nicht eingeweiht wurden.

Meist kommt das „Coming-Out“ der Kinder für die Eltern aus heiterem Himmel, schließlich hat sich ihr Nachwuchs doch immer „normal“ verhalten. Viele fragen sich, was sie in ihrer Erziehung falsch gemacht haben. Besonders Väter fühlen sich durch den schwulen Sohn oder die lesbische Tochter in ihrer Identität als Mann gekränkt. Was für viele auch schlimm ist: das entworfene Idealbild vom Leben des Kindes stürzt nun völlig in sich zusammen: aus der Traum von eigenen Enkelkindern, vorbei die Vorstellung, sein Kind einmal in der Elternrolle zu erleben. Besonders Müttern fällt die Vorstellung, nicht Großmutter zu werden, extrem schwer.

Oftmals kommt es bei einem Outing zu emotionalen Ausbrüchen, bei denen häufig Dinge gesagt werden, die der ersten Reaktion entsprechen, jedoch nicht ernst gemeint sind. Gerade Sätze wie: „Du kannst nicht mein Kind sein!“ oder „Dazu haben wir dich nicht erzogen!“ machen es schwer, danach wieder eine vernünftige Gesprächsgrundlage zu finden. Diese ist jedoch extrem wichtig, denn ohne den Austausch von Gedanken, Gefühlen und Meinungen schaffen es Familien nicht, wieder in den Alltag hineinzufinden.